| Erzählen mit visuellen Mitteln. | ||
| Zeitungen nutzen auch auf aktuellen Nachrichten-Seiten verstärkt die Chancen der visuellen Darstellung von Ereignissen. Verbindungen zum Internet, wo man dann Videos zum Thema findet, unterstu.tzen die Zeitungen dabei, Leser umfassend zu informieren. |
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| Großbrände, Flugzeugabstürze, Lawinen, Bergrutsche wie soll man mit solchen aktuellen nachrichtlichen Großereignissen in der gedruckten Zeitung umgehen? Zeitungen in vielen Ländern Europas nutzen ganz selbstverständlich visuelle Mittel, um die Leser umfassend zu informieren. Die Entwicklung ist nicht neu, denn Leser waren schon immer visuell geprägt. Bekanntlich gehen 80 Prozent der Informationen über die Augen in unser Gehirn. Die Jury des elften European Newspaper Award hat eigens eine neue Kategorie eingerichtet: „Visual Storytelling“ Natürlich kann man hier als konservativer Journalist das Ende des Abendlandes sehen, denn die Zeitung ist ja für manche ein Bollwerk des Wortes. Es entspricht der handwerklichen Tradition des Journalimus im deutschen Sprachraum, dass man Abläufe oder Ereignisse eher in Worten und Sätzen beschreibt und weniger in der visuellen Präsentation. Es ist aber mittlerweile ein Fehler in der Ausbildung. |
Journalisten sind nämlich keine verkappten Schriftsteller, sondern sie haben die Aufgabe, Nachrichten so effektiv wie möglich an die Leser zu bringen. Eine Blickaufzeichnungs-Studie des Poynter-Instituts aus dem Jahr 2007 zeigt, dass Informationen, die über Bilder, Texte, Faktenboxen und Infografiken aufgenommen wurden, vom Leser besser behalten werden als die Präsentation der gleichen Inhalte in überwiegend textlicher Form. Mehr Details zu der Studie finden Sie hier: http://eyetrack.poynter.org. Durch die stärkere Visualisierung und Verteilung der Information auf unterschiedliche Nachrichten-Kanäle wird ein Ziel der journalistischen Arbeit, nämlich die Vermittlung von Informationen, deutlich besser erreicht. Die Beispiele auf den folgenden Seiten zeigen herausragende Beispiele für visuellen Journalismus. Auffallend ist dabei, dass meist ein großes Bild im Zentrum steht. Andere sind deutlich kleiner. |
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Spektakulärer Start. „Bergens Tidende“, Norwegens zweitgrößte Tageszeitung, räumt die Titelseite frei, um mit einem großen Bild über einen Brand im historischen Stadtzentrum zu berichten. Die Redaktion gibt diesem Ereignis damit eine enorme Bedeutung. Die Zeitung erscheint im halben Nordischen Format. Weitere Berichte folgen dann auf den Seiten vier bis neun. Das sind insgesamt drei Doppelseiten. Eindeutige Entscheidung. Jeden Tag müssen sich Redaktionen entscheiden: welches Bild nehmen wir und wieviele sollen es sein? Bei der Betrachtung der Innenseiten sieht man, dass Bergens Tidende gerne wenige, aber großflächige Bilder einsetzt. Es sind immer wieder eindeutige Entscheidungen, bei denen auf die Qualität eines einzigen Bildes gesetzt wird. |
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Kurze Artikel. Bei den drei Doppelseiten sieht man, dass das Ereignis in mehreren kurzen Artikel gegliedert wird. Zwischenzeilen, Zitate und Faktenboxen gehören zum Programm. | |
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Gerettet. Das Bild auf der linken Seite zeigt einige Jugendliche, denen rechtzeigit die Flucht gelungen ist. Rechts oben wird ein Foto mit verschiedenen Erläuterungen versehen, die dem Leser den Einsatz der Feuerwehr erklären. | |
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Ruinen. Das große Bild auf dieser Doppelseite zeigt die Situation, nachdem die große Löschaktion beendet ist. Rauchende Trümmer werden noch bewacht. | |
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Reportage-Foto. Die Redaktion hat sich die Arbeit nicht leicht gemacht, denn natu.rlich konnte man aus sehr vielen Fotos auswählen. Die Entscheidung fiel dann für ein einziges, doppelseitiges Bild, bei dem man die Löscharbeiten, das Chaos der Wasserschläuche und den Angriff der Feuerwehrleute geballt in einer einzigen Szene sehen kann. Es ist eine Foto-Reportage mit nur einem Foto! Zeitschiene. Als Ergänzung ist links eine Zeitschiene, in der die Ereignisse erläutert werden, wobei immer die Uhrzeit vorangestellt wird. Es wird so eine chronologische Reihenfolge eingehalten. Text mit weiteren Fakten. Am Fuß der Doppelseite ist ein Artikel mit weiteren Fakten zu der Brandkatastrophe. Es heißt darin unter anderem: Der Brand hatte seinen Ausgangspunkt in einem Sicherungskasten. |
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Fotografie mit Erläuterung. Das Foto der Woche ist aus Illustrierten bekannt. Die „Bild am Sonntag“ hat diese Idee deutlich weiterentwickelt: Die Doppelseite dieser Zeitung, die im halben Nordischen Format erscheint, wird komplett von einem Foto abgedeckt. Es ist der sechsfache Überschlag eines Rennbootes. Die Erläuterungen im Foto enthalten Detailangaben zu diesem spektakulären Ereignis. Sequenz. Unten ist eine Sequenz aus drei Fotos, die Details des Überschlages zeigen. Rechts ist eine Kolumne, bei der einzelne Fakten in größerer Schrift gesetzt werden. Diese Idee lässt sich ohne großen Aufwand auch bei Regionalzeitungen einsetzen. Es müsste entschieden werden, ob man es täglich oder wöchentlich einsetzen kann. Diese Form der Darstellung ersetzt das klassische Solobild. |
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Wunder am Freitag, den 13. „Trønder-Avisa“, Norwegen, berichtet auf 12 Seiten in spektakulären Luftaufnahmen von einem Erdrutsch am Freitag, den 13. März 2009 in dem Ort Namsos. Die Titelseite dieser Zeitung im halben Nordischen Format zeigt Häuser, die durcheinander gewürfelt wirken. Vier Überschriften stehen auf weißem Grund im Bild. Sie lauten u.a.: Wunder am Freitag, den 13., Held: Per-Olav Flakk rettet ein Baby. | |
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Spektakuläre Aufnahmen. Die Seite vier und fünf bilden mit dem doppelseitigen Bild den Beginn der 12-seitigen Berichterstattung. Danach folgen Doppelseiten, die zum Teil mehrere Bilder haben. Den Abschluss bildet eine Doppelseite, die einen Bericht über den Helden Per-Olav Flakkenthält. Er rettete ein Baby aus den Trümmern. | |
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Foto mit Inhaltsangabe. In das seitenbreite Bild wird mit vier Hinweispfeilen auf Einzelschicksale hingewiesen, die auf den weiteren Seiten dargestellt werden. Neben den Bildern stehen in den Pfeilen Zitate von Betroffenen. „Vom idyllischen Flecken zum Katastrophengebiet“ lautet sinngemäß die Überschrift. Im Vorspann darüber heißt es: „Die Szenen könnten aus einem spektakulären Hollywood-Film stammen. Aber die Einwohner von Namsos konnten den Film nicht stoppen oder zurückspulen. Der gestrige Erdrutsch passierte wirklich.“ Die Redaktion lässt hier das Bild für sich sprechen und gibt der Story auf den folgenden Seiten den nötigen Raum. | |
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Tragödie in Madrid. „el Periódico“ aus Barcelona räumt die Titelseite frei, um über ein Flugzeugunglück in Madrid zu berichten. Die Zeitung erscheint im halben Nordischen Format. Es werden insgesamt sechs Doppelseiten für die Berichterstattung verwendet. Interessant: Die spanischen Kollegen berichten konzentriert hintereinander, also nicht verstreut im ganzen Blatt über diese Katastrophe. Man sollte auch im deutschen Sprachraum so flexibel sein, die Reihenfolge der Seiten zu ändern, um ein einziges Ereignis ins Zentrum stellen zu können. Die Stuttgarter Nachrichten arbeiten beispielsweise auch so. Bei „el Periódico“ konzentriert man sich auf den Seiten 2 und 3 auf eine Infografik, die den Absturz in fünf Schritten darstellt. Erläuterungen stehen oberhalb der Grafik und sind mit Zahlen versehen. | |