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Das Zeitschriften-Cover
Die Aufgabe des Magazin-Designers besteht darin, den Inhalt möglichst exakt visuell darzustellen. Wenn man das Magazin liest, sollte kein Bruch zwischen Design und Inhalt entstehen. Die Auswahl der Schrift, des Satzspiegels, des Formats, des Papiers bilden eine stimmige Einheit. Der Name ist Programm Die Zeitschrift hat einen Namen, der steht gewöhnlich oben und eher links, damit man am Kiosk, wo Zeitschriften überlappend platziert werden, die Zeitschrift auch findet. Manche haben nochmal klein den Namen senkrecht neben dem Zeitungskopf platziert, andere haben ein Kennzeichen, z.b. einen Stern, damit man sie am Kiosk sofort sieht. Der Name ist im Idealfall das Motto, das Programm der Zeitschrift: Glamour, Art, My Life, 11 Freunde, Runners sind klare Ansagen und damit Programm an sich. Hör zu ist auch ein eingeführter Name, aber es ist ja vorwiegend eine Fernseh-Zeitschrift. Nur am Anfang war es eine Zeitschrift für Hörfunk. Die Unterzeile kann das Motto enthalten oder die Bedeutung des Namens erklären. - Runners: Das größte Laufmagazin der Welt - 11 Freunde: Magazin für Fußballkultur - Manager Magazin: Wirtschaft aus erster Hand. Anzahl der Themen und Überschriften Natürlich müssen sich viele Zeitschriften allein über das Titelbild am Kiosk verkaufen. Man muß offenbar das Thema der Zeitschrift erkennen können. Überraschende Cover, ungewöhnliche Motive sind eher selten. Eine Frauen-Zeitschrift muß offenbar ein Porträtbild einer Frau haben, Mens Health muß einen Mann mit Waschbrett-Bauch auf dem Cover haben, sonst wird dieser Titel wohl nicht eindeutig erkannt. Ergänzt werden die visuellen Kennzeichen der Zeitschriften-Cover durch eine mehr oder weniger große Anzahl von Überschriften, die meist wirr um das Hauptmotiv herum arrangiert werden. Durch die zunehmende Enge an Kiosken gibt es den Zwang, den linken Teil der Zeitschrift stärker mit Texten zu versehen, um überhaupt Themen des Heftinneren sichtbar machen zu können. Gerade bei Zeitschriften-Covern wäre eine größere visuelle Klarheit, Einfachheit und Konzentration aufs Wesentliche oft besser. Gerade bei Zeitschriften merkt man, dass die Designer von der Redaktion überfahren werden. Da man keine genauen Kenntnisse über das Leserverhalten hat, macht man das, was alle machen und stellt möglichst viele Überschriften auf das Cover. Sicher eine Fehlentwicklung. Zumindest wird aber durch die große Anzahl der Überschriften inhaltliche Vielfalt suggeriert. Bei der Platzierung von Bild und Überschrift wird oft übersehen, dass ein Zusammenhang von Coverbild und einer Hauptüberschrift vorhanden sein muss. Man schafft klare Zuordnungen durch - gleiche Farbe im Bildmotiv und in der Überschrift - Platzierung der Überschrift nah am Bildmotiv - Extrem große Überschrift macht optisch klar, dass sie zum Bildmotiv gehört. - Platzierung kleinerer Überschriften getrennt vom Hauptmotiv schafft Übersichtlichkeit. - Reduzierung auf ein Foto und eine Überschrift schafft eindeutige Zuordnung und bewirkt seriösen, gediegenen Charakter der Publikation. Bei Überschriften auf dem Cover gilt das gleiche wie für alle Überschriften: mit sechs bis acht Worten läßt sich ein Thema in deutscher Sprache klar formulieren. Wenn nur drei Worte im Layout vorgesehen sind, sollte man eine Unterzeile vorsehen, ansonsten sind die Überschriften zu inhaltsleer. Lesbarkeit Auch bei Zeitschriften mit hoher Auflage kommt es zu klassischen Fehlern. Mangelnde Figur-Grund-Differenzierung ist so einer: Der Zeitungskopf steht auf einem Foto. Das Foto hat helle und dunkle Partien. Man kann den Namen oder die Überschriften nicht lesen. Abhilfe ist möglich: - Zeitungskopf oder Überschriften auf einen weißen Hintergrund stellen - Kleine Überschriften nicht in das Hauptmotiv stellen, sondern z. B. unten, oben, links oder rechts. Großschreibung liegt derzeit auch im Trend. Es ist aber wissenschaftlich erwiesen, dass Texte in Großschreibung wesentlich schlechter lesbar sind als Texte in Groß- und Kleinschreibung. Darum: Wenn man den Trend kennt, kann man ja entscheiden, ob man ihm folgen will oder nicht. Typografische Titel Durch den Börsen-Boom hat die Wirtschafts-Presse zunächst einen rasanten Aufschwung genommen, der durch die Börsen-Abstürze allerdings wieder in einen Abschwung übergegangen ist. Als Innovation sind typografisch geprägte Cover übrig geblieben. Das liegt daran, dass sich abstrakte Wirtschafts-Themen nur schwer fotografisch darstellen lassen. Es gibt tausende von Schriften. Sie sind entworfen worden, um Themen visuell darstellen zu können. Leicht, schwer, groß, klein, technisch, natürlich, kalt, warm, all diese Themen lassen sich mit Schrift und Farbe visuell darstellen. Man sollte allerdings nicht einfach mal beginnen, sondern 12 bis 24 Cover mit entsprechenden Themen gestalten, um zu prüfen, wie viele Einfälle man hat und wann das typografische Cover sich totläuft. Umgang mit Fotos Farbe, Anmutung, ungewöhnliche Perspektive, Nähe sind die Stichworte beim Thema Fotografie auf dem Zeitschriftencover. - Sicher sieht man am Kiosk einige Cover mit ungewöhnlichen Bildschnitten. Es ist dann meist die extreme Nähe, die den Betrachter in den Bann zieht. - Farbe kann bei einigen Zeitschriften jahreszeitlich benutzt werden. Besonders der Frühling gelingt mit Gelb, Grün, Orange und Blau sehr gut. Der Sommer braucht strahlende und einfache Farben: Rot, Gelb, Blau, Grün, Violett. Der Herbst wird mit Braun, dunklem Orange, Rot und Grün gut getroffen. Der Winter gelingt mit Blautönen, Weiß, Grau und Braun. Weihnachten ist im deutschen und englischen Sprachraum mit Rot und Grün visuell verbunden. - Ungewöhnliche Perspektiven werden selten von den Redaktionen ausgewählt, weil man das Motiv scheinbar schlecht erkennt. Perspektiven von oben, von unten, von der Seite sind aber trotzdem zu empfehlen, weil sie eine eigenständige Positionierung des Objektes erlauben. Eine Grundregel Eine Grundregel, die alle Regeln, die hier aufgestellt wurden, ad absurdum führt, stammt von dem Künstler El Lissitzky, der prägend für die Typografie am Anfang des 20. Jahrhnderts war: Mach es stets anders, als es jemand vor dir gemacht hat. Darum habe ich auch in meiner Sammlung ein schwarzes Cover, eines ohne Namen und nur mit Großbuchstaben versehen. Denn man will ja auffallen und einen eigenständigen Auftritt mit dem Zeitschriftencover signalisieren. |
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