Die Grundformen.
Bei den Grundformen Balken, Säulen, Fieberkurven und Torten geht es darum, Zahlen übersichtlich und leicht erfassbar zu präsentieren.
„Bevor der Mensch das Lesen lernte, wurde Wissen aus Gehörtem und bildlicher Repräsentation im Gehirn erzeugt. Daran waren beide Gehirnhälften beteiligt. Die Fähigkeit zu lesen hat uns dann zwar den Zugriff auf sehr viel größere Informationsmengen ermöglicht. Durch das Lesen, also der Abstraktion von Gesprochenem, konnte das Wissen vom einzelnen Menschen getrennt und in Büchern und Archiven gespeichert und weitergegeben werden. Doch wir üben da eine Tätigkeit aus, die uns von der Evolution nicht mitgegeben wurde. Der Wirkungsgrad der Wissensvermittlung durch Lesen ist unglaublich gering, wenn man sich nicht gewaltig konzentriert.“ Das sagt der Hirnforscher Ernst Pöppel zum Thema Informationsaufnahme durch Lesen.
Der Mensch ist visuell geprägt.
Es ist kein Wunder, dass wir von frühester Kindheit an Infografiken gewöhnt werden. Kinderbücher und Schulbücher für die Erstklässler enthalten farbige Zeichnungen, Biologie- und Erdkundebücher sind voll von Schnittbildzeichnungen und farbigen Tabellen.
Warum wird im didaktischen Bereich so vorgegangen? Lesen ist im Grunde genommen ein Umweg, denn der Mensch ist von Natur aus stark visuell geprägt. Bei der Ausbildung der Lehrer hat man sich schon vor vielen Jahrzehnten gefragt: Wie können wir Informationen schnell, interessant und vielseitig an unsere Schüler übermitteln? Indem wir aus staubigen Texten interessante grafische Darstellungen machen! Durch die visuelle Darstellung wird das abstrakte Material schneller und einfacher erfassbar.
Wir machen bei Infografiken heute nur das, was die Lehrer seit Jahrzehnten praktizieren: große Themen in kurze Stücke aufgliedern, das grafisch darstellen, was als Text schlecht übermittelt werden kann.
Ernst Pöppel über Fotos und Grafiken:
„Fotos erzeugen eine größere Nähe und mehr Emotionalität. (…) In jedem Fall müssen sich Text und Bild gegenseitig kommentieren. Die Informationen sollten so gegliedert sein, dass sie mit möglichst wenig Aufwand aufgenommen werden können. Dabei sollte nicht der Fehler gemacht werden, zu viele Informationen in eine Grafik zu packen. Das schreckt ab und ermüdet.“ So Pöppel in einem kürzlich veröffentlichten Interview der „Welt am Sonntag“.
Kontinuierliche Weiterentwicklung.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Medienszene erheblich gewandelt. Kaum eine Illustrierte, kaum eine Zeitung kommt heute ohne Infografiken aus. Sie sind von den Redaktionen akzeptiert und werden eingesetzt, wo es möglich und sinnvoll erscheint. Dabei hat sich im Internet noch die animierte Infografik etabliert. Der Leser kann sich weitere Inhalte oder Grafiken durch Mausklick erschließen. Der Leser nimmt Inhalt und Form als Einheit wahr. Inhaltliche und gestalterische Qualität fließen im Endprodukt zusammen. Wenn man Infografiken richtig einsetzt, sind sie der schnellste Weg der Informationsübermittlung.
„Wir können Informationen über Bilder mit deutlich weniger Anstrengung aufnehmen. Schliesslich beschäftigt sich ja die Hälfte des menschlichen Gehirns mit der Verarbeitung von visuellen Informationen.“
Hirnforscher Ernst Pöppel,
„Stuttgarter Nachrichten“
vom 24. April 2010
  • Info
    Grundsätzliches
  • Jede Grafik braucht eine Überschrift.
  • Woher kommen die Daten? Jede Grafik braucht eine Quellenangabe.
  • Wer ist der Autor? Wie jeder Artikel oder jedes Bild hat jede Grafik den Autorennamen oder das Kürzel.
  • Die Grafik muß für sich allein sprechen. Wer gezwungen ist, mehr als einen normal langen Bildtext darunterzustellen, sollte die Grafik nochmals überprüfen.
  • Weniger ist mehr. Zu viele grafische Gags überlagern das eigentliche Ziel: dem Leser Zahlen oder Geschehnisse plastisch vor Augen zu führen.
  • Darum liegt es derzeit im Trend, die Grafiken frei von dekorativem, aber unnützem Beiwerk zu veröffentlichen.
Norbert Küpper ist Spezialist für Zeitungs- und Zeitschriftendesign. Er hat mehr als 100 Zeitungen neu gestaltet. Er arbeitet vorwiegend in Deutschland und Österreich, hat aber auch Zeitungen in Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakischen Republik, Italien und den Vereinigten Arabischen Emiraten neu gestaltet. Im Rahmen seiner Tätigkeit hat er auch oft Stilbücher für den Einsatz von Infografiken entwickelt. In den letzten Monaten hat er unter anderem die „VDI-Nachrichten“, die „Stuttgarter Nachrichten“ und die Tageszeitung „Dolomiten“ in Bozen neu gestaltet.
Foto: Xymena Weiß-Gendera
Norbert Küpper
Gutenbergstrasse 4
D-40670 Meerbusch
Telefon +49 (0) 2159.91 16 15
E-Mail nkuepper@newspaperdesign.de